20 Oktober 2016, 09:36   
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Amadeus-Studie: Ende des Reisevertriebs, wie wir ihn kennen?

Große IT-Unternehmen und -Plattformen, „Mega-Meta-Online-Reisebüros“ und künstliche Intelligenz könnten den Reisevertrieb in den nächsten zehn Jahren grundlegend ändern. Das zeigen die Ergebnisse einer von Amadeus in Auftrag gegebenen Studie.
Foto: Olivier Le Moal / shutterstock.com

Gleichzeitig werde der Druck, der sowohl von der Branche als auch von Verbrauchern kommt, Inhalte und Technologie zunehmend vielschichtiger machen. In dem Maß, in dem Kunden über alle Reiseprozesse hinweg personalisierte Angebote erwarten, steige die Komplexität der Technologie zur Differenzierung von Flugtarifen und Airline-Services. Unternehmen, die sich nicht schnell genug durch Innovation an diesen Umstand anpassen, werden Wachstumschancen verpassen, sagt die London School of Economics, die diese Studie durchgeführt hat.

Das Ende der Welt, die wir kennen?

Die Studie “Travel Distribution: The End Of The World As We Know It?” zeigt mehrere Szenarien und stellt in sechs Bereichen einen objektiven Überblick für die Branche zur Verfügung:

  • Verbrauchererwartungen aus dem Einzelhandel werden sich rasch auf den Reisevertrieb übertragen. Der Reisevertrieb wird darauf mit breit angelegten Formen der Zusammenarbeit reagieren müssen, um die notwendigen großen Datenmengen zusammenzutragen, zu verarbeiten und nutzbar zu machen. Die explosionsartig steigende Komplexität und Differenzierung der Angebote könnten die Verbraucher sonst kurzfristig verwirren.
  • Die Rolle der großen IT-Unternehmen wie Google, Facebook, Microsoft, Amazon and Apple mit bedeutenden Schnittstellen zu Endkunden wird im Reisevertrieb weiter wachsen, insbesondere durch die Nutzung virtueller Verkaufsassistenten, Zahlungstechnologien und die Integration in Social-Media-Kanäle.
  • Größe und Macht von „Mega-Meta-Online-Reisebüro“-Mischformen (Online-Reisebüros mit Metasearch-Elementen und globalen Marken) werden wahrscheinlich weiter zunehmen. Infolgedessen wird ihr Einfluss auf die Vertriebskette steigen. Sie haben die Möglichkeit, bessere Angebote und Konditionen auszuhandeln, während sie weiterhin Provision erhalten.
  • Der Reisevertrieb wandelt sich rapide zur Technologie-Branche. Die Geschäftsmodelle brauchen einen strategischeren Ansatz, der die Wertschöpfung verschiedener Technologien über die gesamte Branche hinweg erfasst.
  • Der Reisevertrieb muss Allianzen über die Branche hinaus bilden. Um die Verwirrung der Verbraucher und vergebene Chancen zu vermeiden, muss der Branchenvertrieb über bilaterale Partnerschaften und vertraglich vereinbarte Geschäftsbeziehungen hinausgehen. Die Geschäftsmodelle des Reisevertriebs müssen so konzipiert sein, dass sie Raum bieten für gemeinsam genutzte Innovationen (Shared Innovation), eine Kultur des Experimentierens und Allianzen über verschiedene Branchen hinweg.
  • Sharing-Economy-Plattformen werden weiter neue Märkte schaffen und die Marktanteile von Anbietern und Mittlern aushöhlen. Die Branche muss sich an den veränderten Markt anpassen und die Auswirkungen der Wettbewerbsregeln in verschiedenen Regionen beobachten, da Regulierungsbehörden aufholen.
Den Verbraucher betrachten

„Der Reisevertrieb wird sich in bisher nicht gekanntem Maß verändern – mit sich rasch wandelnden Erwartungen der Verbraucher, Fortschritten in der Datenanalyse und einer Auflösung der klassischen Grenzen zwischen den verschiedenen Unternehmen“, sagt Dr. Graham Floater, Director Seneca und EGC Director der London School of Economics sowie einer der Autoren der Studie. Die Studie beschreibe die Faktoren des Umbruchs, die die Branche sehr wahrscheinlich gestalten werden, und acht mögliche Szenarien, wie sich die Branche in den nächsten zehn Jahren entwickeln könnte, so der Autor weiter.

„Jeder betrachtet seinen Bereich der Branche aus seinem eigenen Blickwinkel und beachtet dabei nicht unbedingt die Verbraucher“, wird Kenny Jacobs, Chief Marketing Officer von Ryanair, in der Studie zu den Eigenschaften des Reisevertriebs zitiert. Der Einzelhandel orientiere sich viel stärker an den Konsumenten, und zwar schon seit 25 Jahren. Die Reisebranche könne viel vom Einzelhandel lernen, wenn es um die besten Lösungen für Verbraucher geht, erklärt Jacobs.

„Wir haben die London School of Economics beauftragt, einen unvoreingenommenen, wissenschaftlichen und unabhängigen Blick auf den Reisevertrieb zu werfen, um Diskussionen über die Zukunft unserer Branche anzuregen, Die Studie leistet einen großen Beitrag zum Verständnis, wie Verbrauchererwartungen, neue Technologien und veränderte Marktdynamik die Zukunft des Reisens gestalten“, sagt Holger Taubmann, Senior Vice President Distribution bei Amadeus.

Die Methodik der Studie

Die fünf wesentlichen Quellen der Studie „Travel Distribution: The End Of The World As We Know It?” sind: Fachliteratur, Interviews, Datenanalysen und zwei Branchenumfragen. Die Sichtung der Fachliteratur berücksichtigte 1.410 Quellen, die Umfragen erbrachten 377 Antworten aus dem Reisevertrieb sowie von 18 internationalen Fluggesellschaften. Die Recherche der London School of Economics umfasste 37 Interviews mit Fachleuten aus allen Teilen der Branche, unter anderem mit Google, Facebook, Expedia und Ryanair. (red)


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Autor:


Redakteur / Managing Editor

Dieter ist seit knapp 15 Jahren wichtiger Teil des Profi Reisen Verlags-Teams. Fast jedes geschriebene Wort das die Redaktion verlässt, geht über seinen Schreibtisch.



Business Travel News des Tages
19 Oktober 2017



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    Meinungen [1]

    24. Okt 2016, 11:26 #
    A. Lenk

    Eine Studie des US Magazins Skift ( Reisebüros haben eine Zukunft – Zeitraum bis 2024 ) wird gerade der steigende Beratungsbedarf durch Expedienten hervorgehoben . Die Zahl der Büros und Mitarbeiter wird fast konstant bleiben.
    Da wir in D viel konservativer sind ( aktuelle Zunahme der Buchungen in Reisebüros) sehe ich die Probleme nicht so gravierend trotz Technikveränderungen. Schon Anfang der 2000er wurde in eine Studie der Dresdner Bank das baldige Ende der Reisbüros vorausgesagt ( Tote….) Megastores sind unpersönlich und werden, zumindest in den nächsten Jahren nicht den Einfluss haben und keinen Boom erleben.

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