Wie KI das Travel Management in den kommenden Jahren verändert
KI wird die Planung und Durchführung von Geschäftsreisen in den nächsten Jahren grundlegend verändern. Im neuen Whitepaper „KI in Business Travel“ gibt der VDR einen strukturierten Überblick über mögliche Entwicklungspfade und zeigt, welche Weichen die Unternehmen heute stellen sollten.

Die Publikation basiert auf einer wissenschaftlichen Zukunftsstudie, die das Institute of Tourism, Travel & Hospitality (ITTH) der Hochschule Heilbronn im Auftrag des VDR unter der Leitung von Prof. Dr. Stephan Bingemer erstellt hat. Sie beschreibt vier plausible Szenarien für Deutschland, Österreich und die Schweiz – ohne Prognoseanspruch, aber mit klaren Annahmen und praktischen Implikationen.
„KI kann das Corporate Travel Management grundlegend verändern. Entscheidend ist dabei, nach welchen Regeln KI-Systeme handeln, welche Daten sie nutzen und wer die Entscheidungslogiken kontrollieren kann“, sagt VDR-Geschäftsführer Jens Schließmann: „Unser Whitepaper gibt Orientierung und zeigt, welche strategischen Fragen sich aus den Szenarien für Unternehmen ergeben.“
Vier Szenarien – ein Orientierungsrahmen
Die vier Szenarien spannen sich entlang von zwei zentralen Unsicherheiten auf: Wie autonom KI-Systeme künftig handeln und wie stark Daten, Systeme und Prozesse miteinander vernetzt sein werden. Aus der Kombination dieser beiden Faktoren ergeben sich vier unterschiedliche Zukunftsbilder:
- KI-Agenten-Wildwuchs: Viele spezialisierte KI-Agenten übernehmen Einzelaufgaben, die Systemlandschaft bleibt fragmentiert. Transparenz und Steuerbarkeit nehmen ab.
- Autonomes Travel-Betriebssystem: Ein integriertes KI-System steuert Geschäftsreiseprozesse weitgehend selbstständig. Travel Management wird zur Governance-Instanz.
- Gläsernes Cockpit: KI liefert Analysen und Empfehlungen, die Entscheidung bleibt beim Menschen. Transparenz steht im Mittelpunkt.
- Manuelles Kontrollzentrum: KI unterstützt punktuell, die Systemlandschaft bleibt heterogen. Menschen behalten die Entscheidungshoheit.
„Szenarien erlauben es, Unsicherheiten systematisch zu untersuchen“, erklärt Prof. Dr. Stephan Bingemer, wissenschaftlicher Leiter der Studie und Leiter des ITTH: „Sie zeigen, welche Entwicklungen unter bestimmten Annahmen plausibel wären und wie sich diese unterscheiden. Damit entsteht ein analytischer Rahmen, der Diskussionen fundierter macht.“
Drei Trends gelten in allen Szenarien
Trotz ihrer Unterschiede weisen die vier Zukunftsbilder drei gemeinsame Entwicklungslinien auf: Geschäftsreisen bleiben insbesondere bei komplexen, strategischen und vertrauensabhängigen Interaktionen relevant. Künstliche Intelligenz wird in allen Szenarien als fester Bestandteil des Geschäftsreisemanagements angenommen.
Zugleich bleibt der Druck auf Unternehmen bestehen, Kosten zu reduzieren und Prozesse effizienter zu gestalten. Zentral bleibt die Frage: Wer kontrolliert künftig die Entscheidungslogiken, Datenflüsse und Schnittstellen? Je nach Szenario verschieben sich Rollen und Einflussmöglichkeiten im gesamten Geschäftsreiseökosystem.
Travel Management wird strategischer
Die Studie zeigt klar: Operative Aufgaben verlieren an Bedeutung, während Governance, Regelsetzung, Datensteuerung und Compliance wichtiger werden. Die Rolle des Travel Managements entwickelt sich damit von einer operativen Steuerungsfunktion hin zu einer strategischen Governance-Funktion.
Für das Travel Management empfiehlt die Studie, Kompetenzen insbesondere in den Bereichen Datenmanagement, KI-Governance, Prozessdesign und Compliance auszubauen. Darüber hinaus sollten technologische Entwicklungen aktiv beobachtet und praktische Erfahrungen mit KI-Anwendungen gesammelt werden, ohne sich frühzeitig auf einzelne Technologien oder Anbieter festzulegen.
An der Studie beteiligten sich 20 Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größen aus Deutschland mit professionellem Travel Management. Ergänzend brachten 15 Unternehmen von der Anbieterseite ihre Perspektive ein. Die Szenarien entstanden in einem mehrstufigen wissenschaftlichen Prozess. Das Whitepaper steht ab sofort kostenfrei zum Download bereit. (red)



