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Reiseindustrie sollte Daten richtig nutzen

In einem hoch wissenschaftlichen Referat versuchte Dr. Rüdiger Off im Rahmen der abta Business Travel Lounge in Graz, dem Publikum zu erklären, warum die Reiseindustrie „Quantenfunktionalitäten“ brauche.

Der Wissenschafter hat nicht nur nebenbei zur optischen Messung der globalen Luftverschmutzung drei Kleinsatelliten entwickelt, die in Kooperation mit einem universitären Lehrstuhl betrieben werden, sondern auch im Auftrag von HighPots bei CERN und beim Max Planck-Institut geforscht. Heute ist er auch für Google X im Silicon Valley tätig und entwickelt bei der Denkfabrik HighPots Lösungen für datenbasiertes Marketing und digitale Kundenzentrierung. Dabei verbindet er künstliche Intelligenz mit Massendaten („Big Data“) zur Identifikation von Konsumenten und automatisiertem Vertrauensaufbau zu diesen.

Unmengen an Daten

Seiner Überzeugung nach sollte sich die Reisebranche an Forschungen im Bereich des Quantenrechnens (z.B. Shor-Algorithmen) beteiligen oder einen gemeinschaftlichen Forschungsfond etablieren. Die Reisebranche sei die zweitgrößte datenverursachende Industrie weltweit und habe zahlreiche quanten-relevante Anwendungsfälle, z.B. Mustererkennungen oder Optimierungsherausforderungen (beispielsweise das Problem des „Handlungsreisenden“).

Darüber hinaus wäre die Reisebranche in einer besonderen Situation - zum einen, weil die Branche den Konsumenten/Kunden zumeist mehrmals innerhalb eines Produktverkaufs „trifft“ (online und offline); zum anderen, weil Möglichkeiten bestehen, die Kunden „natürlich“ zu erleben. Dieses Privileg hätten ansonsten lediglich die Spiele- und die Erotikbranche. Die partielle Vorhersage des natürlichen menschlichen Verhaltens durch klug entwickelte Quanten-Algorithmen könnten neben der Begegnung von Optimierungs-Herausforderungen ungeahnte Vorteile für die Reiseindustrie mit sich bringen.

Der Blick in die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen (F&E) sowie in die Innovation-Hubs der Reiseindustrie als auch auf die Patentsituation sei aber ernüchternd; während im Silicon Valley bereits unter vorgehaltener Hand von der Ablösung von künstlichen neuronalen Netzwerken (KNN’s) durch Quantencomputer gesprochen wird, besitzt kaum ein europäisches Unternehmen ein eigen entwickeltes KNN, erklärt Off.

Zielgerichtete Filterung möglich

Durch wissenschaftliche Methoden und dem Einsatz von Hochtechnologie ist laut Off eine zielgerichtete Filterung von enormen Datenvolumina heute bereits möglich und damit auch ein punktgenaues, auf den Kunden abgestimmtes Marketing für Reiseunternehmen. „Punktgenau“ definiert der Wissenschafter durch die Attribute Zeit, Kanal, sozioökonomische Parameter, Charakter sowie Interessen/Leidenschaften. Voraussetzung für die Datenanreicherung und das bessere Kennenlernen der Kunden sei ein automatisierter schleichender Vertrauensaufbau des Reiseunternehmens zu seinen Kunden – mit dem Endziel eines dynamischen Präzisionsmarketings. So vertiefe HighPots bereits seit zweieinhalb Jahren erfolgreich für mittelständische Reiseunternehmen und große Reisekonzerne das Vertrauensverhältnis zu den Kunden und schaffe somit Wettbewerbsvorteile. Die Wettbewerbsvorteile wären reduzierte (Preis-)Recherchen, intensivere Kundenbindungen, Neukundengewinnung durch Viralität und ein Einnahme-Mehrerlös pro Buchung von 10 bis 15%.

Wettbewerber Google und Microsoft

Neben dem produktorientierten Denken sei ein weiterer Makel der Reiseindustrie die mangelnde Weitsicht hinsichtlich des eigentlichen Wettbewerbs. Die Reiseunternehmen nehmen sich laut Off noch gegenseitig die Kunden weg und bezahlen immer mehr Geld an Google, um eine Schnittstelle zu Konsumenten am Leben zu erhalten. Die IT-Konzerne aus dem Silicon Valley nehmen das Geld dankend an und erweitern ihre Geschäftsfelder direkt in die der Reiseindustrie hinein. Anstelle in wesentlichen Bereichen zusammenarbeiten und sinnvolle branchenübergreifende B2C-Kooperationen zu etablieren, echauffierten sich die Reisunternehmen lieber über das Silicon Valley und verharrten in Schockstarre, meint Off.

Fantasielose Branche

Auch die beratungsresistente Fantasielosigkeit der Branche sei neben dem geringen Investment in F&E ein ernstes Problem. Die Qualität des Reise-Marketings wäre beispielsweise auch leicht an der Art und Beschaffenheit der Newsletter zu erkennen; nur gedankenlos dieselben Werbe-E-Mails an „alle“ zu schicken, sei der sichere „Marketing-Tod“, so Off. Moderne Methoden, wie sie auch von HighPots eingesetzt werden, würden es Unternehmen hingegen ermöglichen, vor dem (erstmaligen) Versand von E-Mail-Kampagnen bereits herauszufinden, welcher Content bei welcher Art von E-Mail-Adresse am besten Conversion produziere – bevor die Mails von Providern oder Kunden als Spam deklariert werden. Man müsse sich eine E-Mail-Adresse nur genau ansehen, dann seien steigende Öffnungs- und Click-Through-Raten seien das Resultat. EZ





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