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Reaktionen auf die GDS-Gebühr

Der ÖRV reagiert verstimmt auf die angekündigte Einführung der Gebühr für Tickets, die über GDS gebucht werden. Die GDS-Anbieter -  Amadeus, Galileo und Sabre - üben sich hingegen in Zurückhaltung.

Der ÖRV (Österreichische ReiseVerband) nennt in einer Aussendung die Einführung der GDS-Gebühr in der Höhe von 16 EUR den „dritten Streich gegen die Reisebüros“ - ausgeführt von der Lufthansa Gruppe. Nullprovision und Vorzugspreismodell waren die ersten beiden.

"Im Eigenvertrieb der Airlines wird diese Gebühr nicht verrechnet, eine für die Reisebüros nicht mehr akzeptable Benachteiligung, die so nicht mehr hingenommen werden kann", stellt Dr. Josef Peterleithner, Präsident des ÖRV fest.

Der ÖRV zitiert in der Aussendung einen Reisebüro-Mitarbeiter der dazu treffend bemerkt:

"Früher haben wir für den Verkauf der Tickets eine Kommission bekommen, jetzt müssen – zumindest die Kunden - dafür zahlen, damit sie ein Ticket kaufen dürfen“.
Fehlende Transparenz und Verteuerung

Die Verteuerung für die Kunden, die eingeschränkte Transparenz, der steigende Aufwand in den Reisebüros bei Buchungen, Umbuchungen und Abrechnungsprozessen für die Firmenkunden, die fehlenden technischen Alternativen seien nur einige der negativen Auswirkungen für die Branche. Naturgemäß habe die gestrige Ankündigung zu einem massiven Aufschrei und Protest der Reisebüros in den betroffenen Ländern geführt.

„Eine zusätzliche Schlechterstellung des Reisebürovertriebes, der sowieso schon gratis für die Airlines arbeitet und ca. 80% des Umsatzes bringt, hat das Fass zum Überlaufen gebracht", zeigt sich Hannes Schwarz, Leitung Flugausschuss im ÖRV enttäuscht.

Der ÖRV sei mit dem DRV, SRV und der ECTAA in engem Kontakt. Es würden kurzfristig Meetings anberaumt, um gemeinsam die neue Situation zu diskutieren. Insbesondere solle die rechtliche Zulässigkeit nicht nur aus Wettbewerbsgründen geprüft werden, heißt es von Seiten des ÖRV abschließend

GDS äußern sich zurückhaltend

Amadeus stelle stets den Reisenden in den Mittelpunkt. Dieser solle auf allen Kanälen gleichbehandelt werden, bringt Bernhard Brauneder, Geschäftsführer Amadeus die Stellung des GDS-Anbieters zum Ausdruck.

„Diese Gebühr ist in erster Linie ein Lufthansa- und kein GDS-Thema. Es ist legitim und verständlich, dass die Lufthansa ihr Vertriebskonzept hinterfragt und ändert. Dass dies nicht unkommentiert bleibt, war aber auch klar“, ergänzt Brauneder im Gespräch mit tip-online.

Es gebe jedoch nach wie vor eine gute Zusammenarbeit mit den Airlines der LH Group, die in vielen anderen Unternehmensbereichen auf die Technologien aus dem Hause Amadeus setzen (Anm.: Altea, Airline IT, Airport IT, Amadeus Corporate Recognition).

„Mit dem GDS von Amadeus ist ein Ferrari am Start. In jeder Klitsche, egal wo auf der Welt, sind alle Verbindungen und Verfügbarkeiten gleich abrufbar. Das ist für die Airlines auch ein sehr, sehr großer Vorteil. Und dieser muss auch bezahlt werden. Es steckt ja auch viel Entwicklungsarbeit dahinter“, rechtfertigt Brauneder die Segmentkosten für die Airlines.
Zu früh für Rückschlüsse

Generell sei es noch zu früh ein Urteil abzugeben, dann man müsse warten wie der Markt und der Mitbewerb – die anderen Airlines – reagieren. Im Firmengeschäft könne er sich nicht vorstellen, dass es ohne GDS zufrieden stellende Lösungen geben wird, da viele nachgelagerte Prozesse zu beachten sind.

Ähnlich sieht es auch Travi Austria, das in Österreich Galileo vertritt. Travelport / Galileo sei versucht, alles für die Agenten im Reisebüro zu tun, und ihnen die bestmögliche Technologie zur Verfügung zu stellen.

„Man muss abwarten wie sich die Dinge entwickeln, es ist noch zu früh um sagen zu können, was passieren wird. Eines jedoch: Die Vertretungen und Reisebüros der DACH-Region, also die am stärksten betroffenen Märkte, reagieren gleich negativ. Hätte die Lufthansa die Tickets einfach um 16 EUR teurer gemacht, wäre es keinem aufgefallen. Nun gibt es den Preisunterschied zum Internet durch diese DCC…“, so Travi Austria-Boss Rudolf Mertl im Gespräch mit tip-online.

Sabre will zusammenarbeiten

„Wir sind bereit, mit Fluggesellschaften weltweit zusammenzuarbeiten, die ihre Produkte über Sabre absetzen und verkaufen wollen. Die von Lufthansa vorgeschlagene 'cost distributiom charge' ist nachteilig für Verbraucher und Reisebüros. Die GDS sind der bevorzugteste und effizienteste Kanal für Verbraucher und Reiseverkäufer, um Reisen auszuwählen, zu buchen und zu verwalten – sie bieten Verbrauchern Transparenz, Wahl- und Vergleichsmöglichkeiten“, kommentiert Rainer Schäfer, Country Director Deutschland und Österreich, Sabre Travel Network die Situation. 

Sabre stehe hinter dem bedeutenden Wert, der Airline-Kunden und Agenturen weltweit geboten wird, und das Untenehmen gehe davon aus, eine gemeinsame vorteilhafte Lösung für Lufthansa und unsere Agentur-Kunden zu finden, so Schäfer.

Erste Reaktionen

In einem Brief an AUA Vorstand Dr. Andreas Otto bezeichnet der Fachverband der Reisebüros in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) die neue Distributionsgebühr als "Generalangriff" auf die wichtigsten Vertriebspartner, die Reiseunternehmen.

Man wehre sich strikt gegen die DCC-Fee pro Ticket von 16 EUR die bei Buchungen via GDS (übrigens eine „Erfindung" der Airlines und auf deren Wunsch hin zum Einsatz gebracht) eingehoben wird, im Direktvertrieb jedoch nicht.

„Hinzu kommt verschärfend, dass  kein Full Content mehr gegeben ist. Dementsprechend ist die Airline-Darstellung, wonach diese Gebühr keine Auswirkung auf Passagiere habe, sondern ‚ausschließlich Firmen und Reisebüros’ trifft, aus verschiedensten Gründen nicht zutreffend. Unter anderem. weil durch die Kundenbindung an konzerneigene Airline-Homepages die Vergleichsmöglichkeiten für Kunden ausfallen bzw. massiv erschwert werden“, so Mag. Felix König, Obmann des Fachverbandes der Reisebüros in der WKO, in einem Brief an die Mitglieder.

Vor diesem Hintergrund habe der Fachverband der Reisebüros eine zuvor ausgesprochene Einladung des Austrian-Vorstandes zu einem Social-Event inkl. Business Talk als „unangebracht“ abgesagt und stattdessen dem Vorstand in Absprache mit dem ÖRV-Flugausschuss einen Arbeitstermin zum selben Zeitpunkt in der Wirtschaftskammer Österreich vorgeschlagen, heißt es weiter.

DACH-Verbände gegen Gebühr

Am schnellsten reagierte die Schweizer Reisebüro-Interessensvertretung SRV (Schweizer Reise-Verband) auf die neue Gebühr. In einem Schreiben unter dem Titel "Swiss und Lufthansa Group - es reicht!" ruft der Verband seine Mitglieder auf, gemeinsam gegen "die Machenschaften der LH-Group zu intervenieren". "Nur mit vereinten Kräften ist gegen solche Vorhaben anzugehen. Deshalb ist jedes einzelne Mitglied gefragt und gefordert, sich bereits jetzt und nicht erst im September Gedanken über die Zusammenarbeit mit einem solchen Partner zu machen", heißt es darin weiter.

Auf DACH-Ebene (Deutschland-Österreich-Schweiz) seien bereits intensive Gespräche geführt und die Prüfung auf rechtliche Schritte gegen die Gebühr eingeleitet worden, heißt es weiter.

Facebook-Stimmen

Auf der tip-Facebookseite haben ebenfalls schon einige Branchenkollegen ihre Einschätzung zu der neuen Gebühr kundgetan. Nachzulesen hier

(red)





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