Austrian Airlines erhält vorerst keine neuen Langstreckenflugzeuge
Austrian Airlines muss vorerst auf die weitere Erneuerung der Langstreckenflotte warten. Wie die Fluglinie am Dienstag bestätigte, werden die fünf ab Ende 2027 zur Auslieferung vorgesehenen Boeing 787 Dreamliner innerhalb der Lufthansa Group anderweitig eingesetzt.

Die bisherigen Boeing 777 bleiben damit länger als geplant in der Flotte und sollen „jedenfalls bis Ende 2029 oder Anfang 2030 betrieben werden“, teilte die Airline auf APA-Anfrage mit. Ganz aufgegeben hat man die Erneuerung der Langstreckenflotte allerdings noch nicht. „Für Austrian Airlines könnte sich eine andere Option realisieren, im Zuge derer die bestehende Boeing 777-Flotte ersetzt werden könnte“, heißt es in der Stellungnahme.
Die laufenden Gespräche mit der österreichischen Politik zur Standortsicherung seien dafür ein entscheidender Baustein. Bereits zuvor war bekannt geworden, dass die Zuteilung von fünf der insgesamt zwölf geplanten Langstreckenflugzeuge nach Wien unsicher sei. Damit sollte auch Druck auf die Politik ausgeübt werden, die Kosten des Luftfahrtstandorts zu senken. Doch die Politik dürfte erst jetzt tatsächlich reagieren.
Gute Zahlen, aber hohe Kosten
Unabhängig von den offenen Fragen zur Flottenplanung konnte Austrian Airlines im dritten Quartal 2026 den Umsatz und das operative Ergebnis gegenüber dem Vorjahreszeitraum steigern. Von Juli bis September legten die Erlöse um 13% auf 851 Millionen Euro zu und das EBIT erhöhte sich um 19% auf 140 Millionen Euro. Die Zahl der Passagiere stieg um 3% auf 4,89 Millionen, während die Auslastung um 1,4 Prozentpunkte auf 86,8% zurückging.
CEO Annette Mann verweist auf die Kostenkontrolle und die Anpassung des Flugangebots: „Es ist uns gelungen, unsere internen Kosten im Griff zu behalten sowie die ursprünglich für Nahost geplanten Kapazitäten in touristische Destinationen in ganz Europa zu verlagern.“ Die Verbindungen etwa nach Mallorca und Nizza seien „sehr gut angenommen“ worden. Auch bei der Pünktlichkeit gab es Verbesserungen. Die Werte bei Abflug und Ankunft stiegen um 2,8 bzw. 2,5 Prozentpunkte. 99,2% des Flugplans wurden regulär abgeflogen. Im September sei Austrian Airlines die pünktlichste Airline Europas gewesen.
Für die ersten neun Monate fällt die Bilanz dennoch deutlich schwächer aus: Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 7% auf 2,07 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT sank hingegen um 37% auf 48 Millionen Euro. Ein guter Sommer könne die schwierigen Rahmenbedingungen nicht ausgleichen, kritisierte Mann. „Nach wie vor gilt: Die strukturellen Belastungen des Standorts lassen kaum eine nachhaltige Zukunftsplanung zu.“
Streckennetz und Flottenplanung
Neben den Standortkosten machen Austrian Airlines auch die anhaltend hohen Kerosinpreise zu schaffen. Insbesondere Ultrakurzstrecken stehen wirtschaftlich auf dem Prüfstand. Zum Ende des Sommerflugplans wurde bereits die Verbindung Wien-Graz eingestellt. Für den Winterflugplan 2026/27 hat die Airline ihre Kapazitäten gegenüber dem Vorjahr insgesamt um 5% reduziert.
Auch die Verfügbarkeit neuer Flugzeuge bleibt angespannt. Boeing und Airbus verzeichnen bei den Auslieferungen teils mehrjährige Verzögerungen, Neuflugzeuge sind entsprechend stark umkämpft – auch innerhalb der Lufthansa Group. „Ersatz- und Wachstumsinvestitionen erfolgen dort, wo sie wirtschaftlich langfristig die besten Perspektiven bieten“, erklärt Austrian Airlines.
CEO Annette Mann sieht die Gespräche mit der Bundesregierung dennoch auf einem guten Weg. Zuletzt hatten sich insgesamt acht Landeshauptleute für eine Abschaffung oder Senkung der Flugabgabe ausgesprochen. Für die weitere Entwicklung der Langstreckenflotte und den Erhalt des Standorts Wien dürften die politischen Rahmenbedingungen damit weiterhin eine wesentliche Rolle spielen. (apa/red)



