EU-Kommission will europaweites „Single Bahnticket“ umsetzen
Die EU-Kommission will grenzüberschreitende Bahnreisen mit einem europaweiten „Single Ticketing“ vereinfachen und zugleich die Fahrgastrechte stärken. Entsprechende Vorschläge wurden soeben in Brüssel präsentiert.

Das Ziel ist klar definiert: Die Planung und Buchung von internationalen Bahnreisen soll einfacher und transparenter werden und die Reisenden künftig Verbindungen mehrerer Bahnunternehmen über ein einziges Ticket buchen können. Laut EU-Kommission würden unterschiedliche Buchungssysteme und die starke Marktstellung einzelner Bahnunternehmen derzeit grenzüberschreitende Reisen erschweren. Auch der Fahrgastschutz sei bei mehreren Tickets unterschiedlicher Anbieter bislang nur eingeschränkt geregelt.
Mehr Transparenz und bessere Fahrgastrechte
Künftig sollen Online-Plattformen verpflichtet werden, Angebote neutral und transparent darzustellen. Die Bahnunternehmen wiederum müssten ihre Ticketdaten den Plattformen zur Verfügung stellen, die diese verkaufen möchten. Dadurch sollen Verbindungen verschiedener Anbieter leichter vergleichbar und kombinierbar werden.
Auch bei Verspätungen oder Zugausfällen sollen die Fahrgäste besser abgesichert werden. Wer mit einem durchgehenden „Single Ticket“ unterwegs ist, soll bei verpassten Anschlüssen einen Anspruch auf Entschädigung, Umbuchung und gegebenenfalls auch auf Verpflegung und Übernachtung haben. Die Kosten dafür müsste laut Vorschlag jenes Unternehmen übernehmen, das für die Verspätung oder den Ausfall verantwortlich ist.
Die EU-Kommission erwartet sich von diesen Maßnahmen günstigere Bahntickets und eine höhere Attraktivität des Bahnverkehrs. Laut einer Eurobarometer-Umfrage gab zuletzt rund ein Viertel der Befragten an, Probleme bei der Buchung von Reisen mit mehreren Anbietern zu haben. 43% würden solche Bahnreisen deshalb gar nicht buchen.
EU-weite Umsetzung wäre relativ rasch möglich
Unterstützung für den Vorschlag kommt unter anderem von WESTbahn-Geschäftsführer Thomas Posch: „Bahntickets zu buchen muss so einfach werden wie Musikstreaming: eine Plattform, alle Anbieter, volle Flexibilität. Ein anbieterübergreifendes Ticketing wäre ein Meilenstein für Reisende in ganz Europa.“
Damit die neuen Regeln in Kraft treten können, müssen sowohl die EU-Mitgliedstaaten als auch das Europäische Parlament zustimmen. Laut EU-Kommission könnten die Maßnahmen dann rasch umgesetzt werden. Innerhalb von zwölf Monaten nach Inkrafttreten der Verordnung müssten alle Online-Fahrkartendienste für den Schienenverkehr alle verfügbaren Schienenverkehrsdienste anzeigen, die in ihrem Land betrieben werden, und diese in ihre Suchergebnisse integrieren. (apa/red)
