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Airlines befürchten erneuten Rückschlag in der Corona-Krise

Mit millionenfachen Passagiertests und der schnellen Verbreitung geeigneter Impfstoffe hoffte die Luftfahrt bereits auf die lang ersehnte Erholung. Lockdowns und Testpflichten machen diese Hoffnungen nun aber zunichte.

Foto: Lufthansa
Foto: Lufthansa

Mit dem Durchbruch bei Corona-Impfstoffen glaubten die hart von Reisebeschränkungen getroffenen Airlines in Europa, das Schlimmste in der Krise überstanden zu haben. Jetzt wächst die Sorge über einen Rückschlag. Denn Lockdowns, die Ausbreitung ansteckenderer Virus-Mutationen und das vielerorts nur langsame Voranschreiten bei den Impfungen schüren erneute Unsicherheit.

Die Lage habe sich zum Jahresende hin wieder verschlimmert, erklärte der Generalsekretär des internationalen Airline-Verbands IATA, Alexandre de Juniac, in dieser Woche. "Der langsame Fortschritt in der Krise ist frustrierend", sagte er. Die Branche sei noch immer in einer gefährlichen Situation.

Aktuelle Lage schlimmer als im Frühjahr 2020

Fast drei Viertel der innereuropäischen Flugrouten sind nach Schätzung von UBS-Research derzeit mit Reiserestriktionen belegt - ein höherer Anteil als auf dem Höhepunkt der ersten Pandemiewelle im Frühjahr 2020. Barclays schätzt, dass die angebotene Kapazität auf den Europa-Strecken in diesem Monat um 76% unter der von Jänner 2020 liegt - eine Verschlechterung gegenüber dem Dezember 2020.

Auch die Erholung auf der Langstrecke sei mit einem Kapazitätsrückgang von 68% gegenüber dem Vorjahresmonat zum Erliegen gekommen. Zudem liege die Nachfrage "wahrscheinlich noch deutlich unter diesem Niveau", schreibt der Branchenexperte Rishika Savjani von Barclays Sprich: Viele Flugzeugsitze bleiben frei - und angesichts der unsicheren Lage könnten die Flugpläne weiter zusammengestrichen werden.

Lufthansa rechnet mit Erholung im Sommer

Lufthansa und Easyjet haben nach der Auswertung von Flugplänen durch den Datenanbieter Diio ihr Angebot auf der Kurzstrecke in Europa am stärksten zurückgefahren - nämlich auf rund 15%. Air France-KLM lässt derzeit mit 39% des Vorkrisenangebots die meisten Flieger abheben. Die IAG und die Billigflieger Ryanair und Wizz rangieren mit 22 bis 25% dazwischen.

"Wir hatten ohnehin keine großen Erwartungen an den Jänner", sagt ein Lufthansa-Sprecher. Wichtiger sei, wie sich die Buchungen ab Ostern entwickelten. Es gelte unverändert das Ende Dezember beschriebene Szenario: Im Schnitt werde heuer die Hälfte der Flugkapazität von 2019 angeboten, wobei das erste Quartal noch deutlich darunter liegen werde. Im Sommer und Herbst seien dann bis zu 70% geplant.

Auch Barclays rechnet bei einer erfolgreichen Impfkampagne mit einer Erholung auf 70% im Sommer. Doch bis dahin ist der Weg noch weit: Die Vorausbuchungen für die erste Jahreshälfte belaufen sich derzeit auf nur 17% des Niveaus vor zwölf Monaten, erklärt Olivier Ponti vom Luftfahrtdatenspezialisten ForwardKeys: "Die langsamer als erwartet verlaufende Einführung von Impfstoffen wird eine Erholung der Nachfrage wahrscheinlich weiter abwürgen."

Bei vielen Airlines liegen die Nerven blank

Airlines und Reiseveranstalter wettern schon seit Monaten gegen Quarantänepflichten für Flugreisende und propagieren rasch abzuwickelnde Schnelltests an den Flughäfen als Schlüssel zu sicherem Reisen. So nannte Ryanair-Chef Michael O'Leary die Testpflicht für Einreisende nach Großbritannien jüngst gegenüber der BBC "eine weitere chaotische Maßnahme", mit der sich Großbritannien vom Rest der Welt abschneide. "Das zerstört jegliches Vertrauen in Buchungen". 

Auch IATA-Generalsekretär de Juniac schimpft über zusätzliche Testvorschriften in Kanada, Japan und Deutschland: "Diese Regierungen sind nicht an einem ausgewogenen Umgang mit den Risiken interessiert", sondern hätten sich dafür entschieden, "das Reisen abzuschalten." Politiker strebten offenbar eine völlig coronafreie Welt an. Doch dieses Ziel sei unmöglich und werde ernste Folgen haben. (apa/red)





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