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abta BTL: das Umfliegen (wirtschaftlicher) Gewitterwolken

Ein illustrer Kreis an Referenten und eine große Zahl interessierter Geschäftsreise-Manager sorgten bei der letzten abta Business Travel Lounge dieses Jahres am 25. November in Wien für einen in jeder Hinsicht gelungenen Abend. Die Veranstaltung stand diesmal im Zeichen der Luftfahrt und der „Sicherheit im Cockpit.

Cptn. Robert Schröder, light Safety Officer und Training Captain A 330/A 340 der Lufthansa, informierte über das verantwortungsvolle „Check und Training" der Piloten, während der bekannt pointiert formulierende WIFO-Wirtschaftsexperte Stephan Schulmeister sich Gedanken darüber machte, was im Cockpit der Wirtschaft zu tun sei, um die deutlich sichtbaren Gewitterwolken zu umfliegen. Als prominenter Gast aus dem Ausland berichtete Dirk Gerdom, Präsident des Verbandes Deutsches Reisemanagement (VDR), der Schwesterorganisation der abta, über den aktuellen Wandel der Herausforderungen des modernen Travel Managements. Einleitend überreichte abta-Präsident Hanno Kirsch, gemeinsam mit Vorstandsmitglied Andreas Sturmlechner und Ehrenpräsidentin Christine Glasner, den Absolventen der zum neunten Mal veranstalteten abta-Akademie ihre Diplome. Gastgeber dieser abta Lounge war das im September 2013 eröffnete Falkensteiner 4 Sterne Superior Hotel Wien Margareten.

Luftfahrt verzeiht keine Fehler

Die Fliegerei ist auch heute noch von immanenten Risiken begleitet. Die Luftfahrt verzeihe keinen Fehler, keine Sorglosigkeit und Nachlässigkeit; doch sei das Fliegen nicht gefährlich, wenn man alles richtig mache, leitete Captain Schröder seine Ausführungen ein. Die Airlines hätten nichts unversucht gelassen, um aus Fehlern zu lernen. „Und dabei hat die Fliegerei Demut gelernt. Wir haben verstanden, wie schlecht wir Menschen dazu geeignet sind, manches wahrzunehmen. Deshalb war es uns so wichtig, über jeden Fehler und jedes Detail offen zu sprechen". Die Sicherheitskultur, so betont Schröder, werde bei der Lufthansa kompromisslos betrieben. Das Fazit all dieser Bemühungen: „Der Passagier kann sich sicher fühlen". Statistisch gesehen komme auf 24 Millionen Flüge ein Totalverlust, „da ist das Fliegen weniger gefährlich als jeder andere Bereich des täglichen Lebens".

Geschäftsreisen mit Herausforderungen

Eindrucksvolle Zahlen über die Bedeutung des Geschäftsreiseverkehrs aus deutscher Sicht nannte VDR-Präsident Gerdom. So erreichen die Ausgaben für das internationale Travel Business 48,2 Mrd. EUR, während sich die Ausgaben für Urlaubsreisen auf 64,1 Mrd. EUR belaufen. „Damit sind die Bereiche fast gleichwertig. Das Travel Business trägt zur Wirtschaftsleistung mehr bei als die Automobilindustrie. Trotzdem finden wir zu wenig Anerkennung. Überall stoßen wir auf Probleme und Herausforderungen", sprach Gerdom sicherlich auch seiner österreichischen Zuhörerschaft aus der Seele.

„Zeit der Reisetanten ist vorbei“

Der 1974 gegründete Verband sieht sich als Plattform, um seine 550 Mitglieder in dem beispiellosen Wandel der letzten Jahre („alles wird digital") nach Kräften zu unterstützen. Die Arbeitnehmer ändern sich, der Margendruck wachse, die technischen Herausforderungen steigen sprunghaft an und die Wirtschaft sei so volatil wie nie zuvor. Gleichzeitig wachse die Regulierungswut und der Appetit auf Unternehmensdaten werde immer größer, erklärte der deutsche Experte. Als Antwort auf die neue Situation empfiehlt Gerdom den Travel Managern, sich stärker als bisher strategischen Funktionen zuzuwenden. „Die Zeit der rein operativ tätigen Reisetanten und Reiseonkel ist definitiv vorbei. Wir müssen zeigen, dass wir strategische Partner sind. Es geht um viel mehr als um Buchungen. Wir müssen vollständige Mobilitätskonzepte entwickeln", so Gerdom.

„Neo-liberale Brille“ verstellt die Sicht

Europa habe aus der Krise von 2008 unglaublich wenig gelernt und stecke seit Jahren de facto in einer Depression, erklärte WIFO-Experte Stephan Schulmeister. Die Akteure hätten Zeit genug gehabt, um zu reagieren. Was sie daran gehindert hätte, sei die „neo-liberale Brille" auf ihren Köpfen. Es stelle sich daher die Frage, ob diese „Brille", das neo-liberale Weltbild, nicht vielleicht grundfalsch sei. Aufgrund der „Lernfaulheit der Eliten" wiederholten sich Entwicklungen, die besser zu vermeiden wären. Als Grundübel sieht der kritische Wirtschaftsfachmann die Freigabe der Wechselkurse in den 70er Jahren, die dem Finanzkapitalismus den Weg gebahnt hätte, und die seit den 80er Jahren anhaltende Systemumwandlung durch Einführung von Derivaten und des computergestützten Handels auf den Finanzplätzen. Daraus, so Schulmeister, ergeben sich die heutigen Hauptprobleme: hohe Arbeitslosigkeit wegen fehlenden Realkapitals und Finanzmärkte, die sich nicht an die Kandare nehmen lassen. Das Unternehmertum sei um vieles schlechter gestellt als der Finanzsektor. Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung seien, nicht zuletzt wegen des herrschenden „Sparparadoxons", zu einem Zwillingsproblem geworden.

Als Ausweg aus dem gegenwärtigen Dilemma schlägt der streitbare Wirtschaftsexperte eine gründliche Neuordnung der Finanzwirtschaft und, in Anlehnung an die Pioniertaten des amerikanischen Präsidenten Theodore Roosevelt, die Schaffung eines „New Deals für Europa" vor. Damit könnten Großprojekte angestoßen und die wirtschaftliche Lähmung überwunden werden, meint Schulmeister. EZ





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